Nachstehendem Text liegt ein Beitrag von Walter Neuse im Heimatkalender Dinslaken aus dem Jahre 1952 zu Grunde
Zwischen Möllen und Mehrum verläuft am Rhein ein schmaler Fußweg, den die Menschen bis heute „Linnepad“ (oder moderner: „Leinpfad“) nennen. Nur wenige Spaziergänger wissen, dass dieser unscheinbare Pfad einst Teil einer wichtige Verkehrsader war. Er diente den Pferden, die an langen Seilen die Segelschiffe stromaufwärts zogen – eine Arbeit, die man „Vorspannen“ oder im Volksmund „Pärden“ nannte.
Bis vor wenigen Jahrzehnten lebte in Mehrum noch ein alter Bauer, der diese Zeit selbst erlebt hatte. Als junger Mann hatte er mit den Pferden seines Vaters oft genug Schiffe gezogen und wusste lebhaft davon zu berichten. Er erzählte, dass die Vorspannarbeit für Pferdebauern eine willkommene Einnahmequelle war. Sobald der Wind auf Ost drehte, beobachteten sie aufmerksam den Rhein unterhalb von Mehrum. Bei Ostwind konnten die Schiffe ab Mehrum nicht mehr segeln – sie hatten „verkehrten Wind“ und brauchten Pferdehilfe. Tauchte ein Segel auf, hieß es: „Pferde anschirren!“ Dann wurden die Tiere mit Hahm, Zugseilen und dem Ortscheit ausgerüstet. Die Seile waren an der Stelle, wo sie über die Pferde liefen, mit einer Lederhülse geschützt, damit sie nicht wund wurden – denn anders als beim Wagen lag die Last seitlich hinter ihnen. Der Schiffer befestigte ein starkes Tau am Mast, warf das Ende mit einem Ring ans Ufer, und dort wurden die Zugseile der Pferde eingehakt. Das vorderste Pferd bekam das längste Seil, weil alle hintereinander laufen mussten.
Wie viele Pferde nötig waren, hing von der Last ab. Ein leerer Kahn brauchte manchmal nur ein Pferd, doch meist waren zwei, drei oder sogar vier Tiere im Einsatz. Bei mehr als zwei Pferden musste ein zweiter Treiber mitlaufen. Außerdem gab es noch den „Böropp“, der dafür sorgte, dass das lange Schiffstau nicht über Zwischen Möllen und Mehrum verläuft am Rhein ein schmaler Fußweg, den die Menschen bis heute „Linnepad“ (oder moderner: „Leinpfad“) nennen. Nur wenige Spaziergänger wissen, dass dieser unscheinbare Pfad einst Teil einer wichtige Verkehrsader war. Er diente den Pferden, die an langen Seilen die Segelschiffe stromaufwärts zogen – eine Arbeit, die man „Vorspannen“ oder im Volksmund „Pärden“ nannte.
Bis vor wenigen Jahrzehnten lebte in Mehrum noch ein alter Bauer, der diese Zeit selbst erlebt hatte. Als junger Mann hatte er mit den Pferden seines Vaters oft genug Schiffe gezogen und wusste lebhaft davon zu berichten.
Er erzählte, dass die Vorspannarbeit für Pferdebauern eine willkommene Einnahmequelle war. Sobald der Wind auf Ost drehte, beobachteten sie aufmerksam den Rhein unterhalb von Mehrum. Bei Ostwind konnten die Schiffe ab Mehrum nicht mehr segeln – sie hatten „verkehrten Wind“ und brauchten Pferdehilfe. Tauchte ein Segel auf, hieß es: „Pferde anschirren!“ Dann wurden die Tiere mit Hahm, Zugseilen und dem Ortscheit ausgerüstet. Die Seile waren an der Stelle, wo sie über die Pferde liefen, mit einer Lederhülse geschützt, damit sie nicht wund wurden – denn anders als beim Wagen lag die Last seitlich hinter ihnen. Der Schiffer befestigte ein starkes Tau am Mast, warf das Ende mit einem Ring ans Ufer, und dort wurden die Zugseile der Pferde eingehakt. Das vorderste Pferd bekam das längste Seil, weil alle hintereinander laufen mussten.
Wie viele Pferde nötig waren, hing von der Last ab. Ein leerer Kahn brauchte manchmal nur ein Pferd, doch meist waren zwei, drei oder sogar vier Tiere im Einsatz. Bei mehr als zwei Pferden musste ein zweiter Treiber mitlaufen. Außerdem gab es noch den „Böropp“, der dafür sorgte, dass das lange Schiffstau nicht über Zusätzliche Einnahmen gab es, weil die Schiffer bei Ostwind in Mehrum anlegten und sich dort mit Lebensmitteln versorgten. Proviantboote gab es damals noch nicht, also kauften sie Brot, Kartoffeln, Eier, Fleisch und Milch direkt bei den Bauern. Manche Höfe mussten zweimal pro Woche backen, so groß war der Andrang.
Nicht alle Schiffer brauchten Vorspann. Besonders die Maas- und Kanalschiffer aus Brabant führten eigene Pferde an Bord mit. Wenn der Wind ungünstig stand, legten sie einen Steg an und spannten ihre Tiere selbst an. Außerdem gab es professionelle Pferdehalter, die auf beiden Rheinseiten arbeiteten und dank zahlreicher Fähren leicht wechseln konnten. An jedem Anfang und Ende eines Leinpfades – in Ork, Mehrum, Götterswickerhamm, am Stapp und in Walsum – gab es eine Fähre, die auch große Nachen für Pferde bereithalten musste.
Mit den Jahren änderte sich jedoch alles. Die Dampfschiffe wurden immer zahlreicher, die Segelschifffahrt nahm ab, und damit verschwand auch das Vorspannen. 1882 wurde es in Mehrum endgültig
eingestellt.
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